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GEFÄHRLICHES MITLEID |
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Von Mitleid keine Spur
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From: Manfred Adirsch To: Stern Cc: ASPAC Sent: Friday, January 06, 2006 6:24 PM Subject: Beitrag "Gefährliches Mitleid" von Werner Schmitz [990 KB]
Sehr geehrte Damen und Herren,
Wer den Tierschutz kennt, der weiß auch wo von er redet. Offensichtlich ist Ihr Herr Werner Schmitz nicht ausreichend selbst informiert oder hat sich nicht die gebotene Mühe für eine korrekte Recherche gemacht. Ich möchte ihm, da ich ihn nicht persönlich kenne, nicht unterstellen, dass er ganz bewusst diesen eindeutig tendenziösen Artikel geschrieben hat, aber der Verdacht liegt natürlich nahe, weil ganz offensichtlich falsche Bezüge und Darstellungen gegeben sind. Und leider sind alle Ihre Zitate nur negativ besetzt, dem Leser wird damit ein objektives Bild vorenthalten. Aber in einer verallgemeinernden und vereinfachenden Darstellung liegt natürlich auch der Reiz, eine unkritische, uninformierte, vorurteils- und ängstebesetzte Leserschaft zu gewinnen. Das ist ja leider auch kein Einzelfall in unserer Medienwelt, die damit aber nicht die Gemeinschaftlichkeit fördert sondern destruktiv wirkt und nur das eigene Gewinninteresse im Auge hat - zu Lasten anderer. So wie es auch hier zu Lasten der Schwächsten in unserer Gesellschaft geht, den Tieren. Und ich hoffe, Sie unterdrücken beim Lesen das Gefühl der eigenen menschlichen Größe.
Nun will ich mich nicht lange mit einer Einführung befassen sondern auf Ihren Bericht konkret eingehen: Ich gehe bewusst nicht auf den Fall vom Niederrhein ein, den Sie zur Einführung in Ihrem Bericht gewählt haben. Wenn hier ein Fall des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ggf. auch anderer vorgelegen hat, ist das zu verurteilen und wie alle anderen Vergehen zu ahnden. Ich kann das nicht beurteilen. Aber Ihre Schlussfolgerungen und Annahmen, die mir auffielen, möchte ich doch als Kenner der Gegebenheiten aus der Sicht eines eingetragenen spanischen Tierschutzvereins kommentieren:
Die Hunde wurden nach Deutschland verschleppt Wir verschleppen keine Hunde, weder nach Deutschland noch in andere europäische Länder. Die Tiere, die wir mit Hilfe der Polizei aus qualvoller Haltung befreien oder auch als ausgesetzten Fundhund aufnehmen und für die wir auf Grund unserer Satzung eintreten, geben wir nur in eine geprüfte und vertrauenswürdige Adoption.
Viele Vereine die sich auf den Import und Verkauf von Straßenhunden spezialisiert haben Die Vereine, die ihre Hauptaufgabe dem Auslandstierschutz widmen, unterstützen sich zum Teil gegenseitig und kennen sich weitgehend. Tierschutz ist nur unter verlässlichen Partnern gegeben. Wer sich auf den Import und Verkauf von Straßenhunden spezialisiert, ist ein Hundehändler und hat mit Tierschutz nichts zu tun. Differenzieren Sie das bitte deutlich.
Illegale Hundetransporte unter dem Deckmantel des Tierschutzes Illegal ist ein Transport wenn er nicht den europäischen Vorschriften entspricht, inzwischen sind diese allseits bekannt. Auch die Grenzkontrollorgane kennen diese und wenden sie an.
Ahnungslose Urlauber wie Drogenkurier missbraucht Auch hier gelten eindeutige europäische Vorschriften der Identifikation, Gesundheits- und Seuchenvorsorge für jedes einzelne Tier. Wenn ein Reisender sich bereit erklärt, im Einzelfall ein Tier mitzunehmen, sind wir dankbar und dies erfolgt immer unter allseitiger Information. Der Vergleich mit einem Drogenkurier ist nicht nur von der praktischen Möglichkeit falsch sondern schon eine unverschämte Wortentgleisung.
In der TV-Sendung Tiere-suchen-ein-Zuhause werden Importhunde unbedarften Tierfreunden angedient Wer gegen die in der Sendung vorgestellten Tiere eingestellt ist, mag sie ja einfach ausschalten. Aber der Äußerung, dass die Tierfreunde unbedarft sind, die die Sendung gerne sehen und sich für ein Tier entscheiden, sollten Sie sich enthalten. Sie haben wohl nicht gesehen, wie glücklich Tierfreunde mit einem Tier aus der Sendung geworden sind. Im Übrigen werden in der Sendung ja nicht nur Importhunde vorgestellt sondern auch „deutsche“ Tiere.
220 EUR Schutzgebühr ist ein extrem lohnendes Geschäft Sie mögen ja der Meinung sein, man solle oder könne Tiere verschenken. Nein, dass tun wir ganz bewusst nicht! Aber vielleicht machen Sie sich mal die Mühe und informieren Sie sich über die Kosten- und Ergebnisrechnung in einen Tierschutzverein. Sie werden wohl die Finger von dem „lohnenden Geschäft“ lassen und weiter gerne Ihre Artikel schreiben. Und nun rechnen Sie mal zusammen, was es wohl kostet: Chip, EU-Ausweis, Blutanalyse und Test, Impfungen, Transport/-mittel, zwischenzeitliche Pflegestelle. Sie können mir gerne den Wert nennen wenn Sie ihn unabhängig festgestellt haben und meinen, das war ein extrem lohnendes Geschäft.
Die Gefahr der gefürchteten Mittelmeerkrankheiten Natürlich ist Leishmaniose eine Krankheit, die vor Reise getestet werden muss. Wenn man als Tierschützer dies unterlässt, riskiert man als unseriös seine Beziehungen zu verlieren.
Die Tollwut grassiert immer noch in vielen Urlaubsländern In Spanien ist es, im Gegensatz zu Deutschland, gesetzlich vorgeschrieben, dass alle Haustiere jährlich gegen Tollwut geimpft werden, unabhängig von einem möglichen Grenzübertritt.
Die Gefahr, dass man mit dem importierten Straßenhund nicht zu recht kommt Aus meiner Erfahrung, und das wird auch von anderen Tierschützern bestätigt, sind die südlichen „Straßenhunde“ in der Regel sehr sozial. Die Gefahr, dass man mit einem Hund nicht zurechtkommt, hat ganz andere Gründe. Manche kommen weder mit einem Hund vom Züchter noch mit ihren eigenen Kindern zurecht.
Tierheime bleiben auf dem Restmüll der Importhunde hängen Es gibt Tierheime, die unterstützen Auslandstierschutz, der sich um den "Restmüll der menschlichen Gesellschaft" kümmert und können dadurch auch ihren Interessenten ein Tier anbieten, das sie sonst nicht hätten. Und gehen Sie mal ruhig in die Tierheime und schauen Sie sich an welche da sitzen bleiben. Schreiben sie doch auch mal einen kritischen Artikel über die Hundehalterverordnungen.
Pariahunden geht es nicht so schlecht, sie sind an ihren Lebensraum angepasst Na ja, über diese Weisheit kann man nur den Kopf schütteln. Klar, auch Entwicklungshilfe könnte man sparen.
Nachhaltig wirkt das Wegfangen der Hunde von der Straße eh nicht Da haben Sie aber Recht. Das wird aber hier in Spanien offiziell praktiziert. Nicht von Tierschützern sondern durch behördlich beauftragte Unternehmen. Und die Nachhaltigkeit ist gesetzlich geregelt, nämlich durch Töten nach 10 Tagen. Im Sinne Ihres Artikels wäre das ja ein Tipp für Deutschland. Dann brauchte sich niemand mehr über den Restmüll in den Tierheimen sorgen. Das wäre dann geregelt. Meinen Sie aber, ein Tierschützer könnte das akzeptieren?
Die Zahl der Straßenhunde sinkt nur wenn sie kastriert und wieder freigelassen werden. Seriöse Gruppen betreuen solche Modellprojekte Das wäre zu schön, um wahr zu sein. Zunächst mal, die Welt ist groß und die Sitten und Gebräuche nicht alle wie in Deutschland. Setzen Sie sich auch dafür ein und zitieren Sie nicht nur die wenigen, die in dieser Richtung unterstützen. Aber bleiben wir in Europa, das wollen wir ja einig sehen. Außerdem, für außereuropäische Staaten gelten ohnehin sehr verschärfte Importbestimmungen. In Spanien haben vagabundierende Hunde keinen eigenen Lebensraum und werden aus Gründen der Ordnung immer eingefangen, ob kastriert oder nicht. Und trotzdem gibt es genug für Tierschützer zu tun. Und warum? Weil dem Tier nicht der entsprechende Wert zuteil wird und dies nicht in den Köpfen der Gesellschaft ausreichend implementiert ist bzw. kontrollierten gesetzlichen Regelungen unterworfen ist. Das ist der Ansatz!
So mag man weder damit zufrieden sein, dass Hundezüchter weiter Ihren Markt suchen und zur Vermehrung beitragen, in allen europäischen Ländern nicht einheitliche Bedingungen durchgesetzt werden, noch sich Menschen – nicht Tiere – ungesetzlich Vorteile verschaffen. Aber bitte, orientieren Sie sich an den Wurzeln der Missstände und richten Sie darauf Ihr journalistisches Augenmerk. Verunglimpfen sie nicht in einem Rundumschlag alle die Tierschützer, die ihre ganze Kraft auf ein soziales Engagement richten, dem viele andere gern aus Unwissenheit oder vom Aufwand her aus dem Wege gehen.
Üben Sie sich in besserer, objektiverer Berichterstattung, das dient Ihrem Unternehmen mehr.
Mit freundlichen Grüßen Manfred Adirsch www.tierhilfe-ueber-grenzen.net
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